k+a 2023.2 : Auf dem Jakobsweg | Sur le chemin de Saint-Jacques | Sul Cammino di Santiago

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   Seit dem 12. Jahrhundert übt das Grab des Apostels Jakobus eine ungebrochene Anziehungskraft auf Pilger aus. Die Pilgerreise zum Grab des heiligen Jakobus kann als Metapher für das eigene Leben gesehen werden, führt doch der Jakobsweg von Osten nach Westen, vom Werden ins Vergehen, vom Anfang buchstäblich an das damals bekannte Ende der Welt. Nach Santiago de Compostela zu pilgern, galt seit dem Mittelalter als Akt der Frömmigkeit, heute auch als Möglichkeit zur freiwilligen Entschleunigung und als hilfreicher Akt zur Selbstfindung.
   Auch die Schweiz wird von einem dichten Netz von Jakobswegen durchzogen, die Via Jacobi vom Bodensee im Nordosten nach Genf im Südwesten bildet die beliebteste Route. Die Wegstrecke ist nicht einheitlich, die Pilger können sich auf einem Netz verschiedener Etappen bewegen, die sich verzweigen und da und dort Abstecher ins Hinterland zulassen.
   Mitte der 1980er Jahre wurde das europäische Netz von Pilgerwegen durch den Europarat zum europäischen Kulturgut erhoben und zieht inzwischen jedes Jahr Hunderttausende an. Entlang der Pilgerwege in der Schweiz zeugen viele Klöster, Kirchen und Kapellen von der Popularität der Wanderschaft nach Santiago de Compostela – bereits mittelalterliche Reisebeschreibungen machten die Jakobspilger auf Sakralbauten und Wallfahrtsorte am Wegrand aufmerksam. Vielleicht lädt das vorliegende Heft ja auch Sie dazu ein, einen sommerlichen Ausflug oder eine Pilgerwanderung zu einem der vorgestellten historischen Bauwerke zu machen. Es lohnt sich!

 

Essay | Essai | Saggio
Daniel Schneller
St. Jakob und der «Sternenweg»
Der Jakobsweg und die abendländische Kultur

Zusammenfassung
Seit dem 12. Jahrhundert ist der «Sternenweg» nach Santiago de Compostela einer der bedeutendsten Pilgerwege in Europa. Die Pilgerschaft als Ausdruck einer christlichen Lebenshaltung hat die Menschen seit jeher fasziniert und verbunden. Das europäische Netz von Pilgerwegen wurde 1985 durch den Europarat zum europäischen Kulturgut erhoben und zieht inzwischen jedes Jahr Hunderttausende von Pilgern an. Entlang der Pilgerwege in der Schweiz zeugen unzählige Kirchen und Kapellen von der Popularität der Wanderschaft nach Santiago de Compostela – bereits mittelalterliche Reisebeschreibungen machten die Jakobspilger auf Sakralbauten und Wallfahrtsorte am Wegrand aufmerksam.

 

Dossier 1
Roland Flückiger-Seiler
Jugendstil am Jakobsweg
Das Hotel Paxmontana in Flüeli-Ranft

Zusammenfassung
Das Hotel Paxmontana in Flüeli-Ranft ist heute ein gut erhaltenes historisches Hotel in der Innerschweiz. Es wurde 1896 im gut besuchten Pilgerort Flüeli-Ranft durch den Hotelier Franz Hess-Michel (1865–1948) erbaut, der es bis zu seinem 73. Geburtstag 1938 selbst leitete. In der ersten Zeit florierte der Hotelbetrieb am Jakobsweg. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 begann ein allmählicher Niedergang, der schliesslich zum Verkauf in fremde Hände führte. Mit dem Übergang in die Bruder-Klausen-Stiftung begann 1953 wieder eine erfolgreiche Zeit. Diese war geprägt durch zwei grundlegende, von der Denkmalpflege begleitete Sanierungen. Heute ist das vom Jugendstil geprägte Hotel ein bedeutendes Mitglied bei den Swiss Historic Hotels.

 

Dossier 2
Moritz Flury-Rova
Klöster am St. Galler Jakobsweg
Der Jakobsweg von Rorschach nach Rapperswil

Zusammenfassung
Der Wegabschnitt der «oberen Strasse» durch den Kanton St. Gallen verläuft vom Bodensee an den Zürichsee. Die fast schnurgerade Linienführung des in den 1990er Jahren neu ausgeschilderten Fusswegs durch die hügeligen Voralpen folgt nicht genau, aber doch weitgehend alten Wegverbindungen, die schon immer auch von Pilgern benutzt wurden. Besonders für Pilger waren Klöster willkommene und sichere Unterkunftsorte – und viele sind es bis heute noch. Das Grab des heiligen Gallus ist das bedeutendste Heiligtum am «St. Galler Weg». Als Missionar aus den Frühzeiten des mitteleuropäischen Christentums und als weitgereister Fremder bot und bietet er Jakobspilgern manchen Anknüpfungspunkt.

 

Dossier 3
Laurent Auberson
Ponts et passages
Quatre stations sur les routes de pèlerinage en Suisse romande

Zusammenfassung
Brücken und Übergänge
Vier Stationen auf den Pilgerrouten der Westschweiz
Die Pilgerfahrt muss sich auf materielle Träger stützen können. Sie bereichert aber auch die Bedeutung der Bauten und Kunstwerke, die sie am Weg nutzt. In dieser Hinsicht können Brücken und Übergänge entlang des Jakobswegs – auch wenn ihr architektonisches Erscheinungsbild oft bescheiden ist – zu bevorzugten Studienobjekten werden. Die vier beschriebenen Orte sind allesamt Zeugen des Mittelalters oder der frühen Neuzeit: die Brücke Sainte-Apolline in der Nähe von Freiburg, der Pont du Moulinet in Orbe, der Pont Saint-Éloi mit der Passage Saint-Jean in Moudon und schliesslich die Passagen, die mit dem «westlichen Massiv» der Kathedrale von Lausanne verbunden sind. Man kann noch heute in der – bebauten oder unbebauten – Landschaft die Überlegungen erkennen, die ihren Bau und die Integration in die Umgebung leiteten, sowie die Verflechtung von weltlicher und religiöser Nutzung der Überquerungsorte im Mittelalter.

 

Interview | Interview | Intervista
Michael Leuenberger
«Architektur hat die Aufgabe, Räume zu schaffen, in denen der Mensch zu sich selbst kommen kann»

Abt Urban Federer und Pater Philipp Steiner vom Kloster Einsiedeln äussern sich im Gespräch zur Geschichte des Wallfahrtsorts, zu seiner Architektur und zur Anziehungskraft des Jakobswegs und erklären, warum das Pilgerwesen im Spannungsfeld von Raum und Zeit steht.

 

Dossier 4
Paul Tanner
Adolph von Menzel in Einsiedeln
Zeichnungen und Skizzen von 1881

Zusammenfassung
Im Sommer 1881 weilte der deutsche Maler, Illustrator und Zeichner Adolph von Menzel (1815–1905) einige Tage in Einsiedeln, wo er verschiedene Zeichnungen im Innern der Klosterkirche anfertigte. Er unternahm in seinen späten Jahren fast jeden Sommer eine Reise, die ihn entweder nach Süddeutschland, Österreich oder in die Schweiz führte. In Einsiedeln sind u.a. drei grosse, finale Zeichnungen entstanden, die bis in die Details durchgearbeitet sind. In einem Skizzenbuch hielt er zudem Skizzen mit Pilgern und Mönchen fest. Selbst die mit wenigen Strichen ausgeführten Skizzen sind so präzise, dass viele Einzelheiten eindeutig identifiziert werden können. Bisher wurden von diesen Werken nur zwei der grossen Zeichnungen publiziert.

 

Dossier 5
Laura Pedrioli
Il Sacro Monte della Madonna del Sasso
Sul cammino ticinese che da Orselina porta a Santiago di Compostela

Zusammenfassung
Der Sacro Monte della Madonna del Sasso
Auf dem Tessiner Weg von Orselina nach Santiago de Compostela
Der Weg, der das Tessin mit der Via Jacobi verbindet, beginnt am Sacro Monte della Madonna del Sasso in Orselina, der sich über die Gebiete von Orselina, Muralto und Locarno erstreckt. Er bietet zwei Fussgängerwege, die sogenannte Strada della Valle und die Via Crucis, die zum geographisch und spirituell höchsten Punkt führen, nämlich zur Kirche Santa Maria Assunta, dem wichtigsten Marienheiligtum des Kantons Tessin und einem beliebten Wallfahrtsort. Der Bau des Heiligtums wird traditionell auf das Jahr 1480 datiert, als der Mönch Bartolomeo d’Ivrea Zeuge einer Marienerscheinung wurde und beschloss, eine erste Kirche zu Ehren der Himmelfahrt zu errichten (1485). Im Laufe des 17. Jahrhunderts erfuhr der Ort seine ersten bedeutenden Veränderungen – insbesondere mit der Gründung der ersten Kapellen, die bereits Ende des 16. Jahrhunderts den Sacro Monte bilden sollten, und der Eröffnung des Kreuzwegs im Jahr 1621. Heute beherbergt der Sacro Monte bemerkenswerte Meisterwerke der lokalen Kunstgeschichte, ein kleines, aber bedeutendes Museum und bewahrt – trotz der Veränderungen im Lauf der Zeit – eine Botschaft, die immer noch klar verständlich ist.

 

Dossier 6
Lukas Bonauer
Wenn die Bergkapelle zum Pilgern ruft
Über Alpen und Pässe zu Orten der Einkehr

Zusammenfassung
Wer auf dem Jakobsweg durch den Kanton Obwalden pilgert, der begegnet vor allem der Lebens- und Wirkungsstätte von Bruder Klaus. Ergänzt werden die offiziellen Pilgerstationen durch das Netz «Auf den himmlischen Pfaden» zu einer weiten sakralen Landschaft der Innerschweiz, in der es weniger bekannte Architektur – Kirchen, Klöster und Kapellen – teils in alpiner Höhe, zu entdecken gibt. Es bleibt ein ungelöstes Rätsel, inwiefern das Klosterdorf Engelberg mit dem hl. Jakob verbunden ist. Die Ortschaft selbst, deren Namensgebung auf das Benediktinerkloster zurückgeht, ist umgeben von versteckten Alpkapellen. Sie boten früher den Älplern Zuflucht, um drohendes Ungemach abzuwenden und für das eigene Seelenheil zu beten. Heute sind sie vor allem noch willkommener Rastplatz und laden an spiegelglatten Bergseen zur Einkehr ein. Ein Pilgererlebnis der etwas anderen Art.

 

Aktuell | Actuel | Attuale
Nicole Pfister Fetz, lic. phil. I, Präsidentin GSK
Billet de la présidente
Teamgeist

 

Aktuell | Actuel | Attuale
Saskia Ott Zaugg
Stimmungsvolle GV in St. Gallen

Aussergewöhnliche Lokalitäten, ein international renommierter Jazzpianist und ein breites Führungsprogramm begeisterten am 3. Juni 2023 die von nah und fern angereisten Gäste der 144. Jahresversammlung der GSK. Während der eigentlichen GV folgten die Mitglieder allen Vorschlägen des Vorstands.

 

Publikationen der GSK | Publications de la SHAS | Pubblicazioni della SSAS
Von Schlössern und Museen

Drei neue Schweizerische Kunstführer zeigen die wechselvolle Geschichte bedeutender Bauwerke und laden ein zu einer Reise in die Bodenseeregion, den Jura und das Tessin.

 

Publikationen der GSK | Publications de la SHAS | Pubblicazioni della SSAS
Die ganze Schönheit des Lavaux

Der neu jetzt auch auf Deutsch erhältliche Band aus der Reihe «Architektur griffbereit» lädt zum Erkunden von Architekturjuwelen in den einzigartigen Weinterrassen des Lavaux ein. Vier reich bebilderte und attraktive Wanderrouten machen das handliche Buch zum idealen Begleiter für Entdeckungsreisen.

 

Auslandreisen | Voyages à l’étranger | Viaggi all’estero

  • Kunst und Musse auf Malta und Gozo
    Von megalithischen Tempelbauern bis zu den Malteserrittern
  • Zauberhaftes Mexiko
    Koloniales Erbe, einmalige Naturlandschaften und lebendige Geschichte

 

Ausstellungen | Expositions | Esposizioni

  • «Das war s. dann» – Mental Health Art
    «Die wirkliche Kunst ist immer dort, wo man sie nicht erwartet!» Das Zitat von Jean Dubuffet (1901–1985) charakterisiert die aktuelle Ausstellung im Schloss Spiez treffend.
  • Burkhard Mangold zum 150. Geburtstag
    Zwei Ausstellungen und eine Monographie würdigen im September 2023 das breit gefächerte künstlerische Schaffen des Basler Malers und Grafikers, Zeichners und Plakatkünstlers Burkhard Mangold (1873–1950).

 

Ausstellungen | Expositions | Esposizioni
Christoph Bignens
«Architektur oder Revolution»
Vor 100 Jahren erschien Le Corbusiers Manifest des modernen Lebens

Kurz bevor sich Charles-Édouard Jeanneret mit dreiunddreissig Jahren in Paris das Pseudonym Le Corbusier zulegte, hatte er die Leitlinien seiner Epoche und diejenigen seiner noch jungen Karriere als Architekt, Maler und Publizist definiert: Vorherrschaft der Industrieproduktion, Wissenschaft, Organisation und Klarheit. Trotz aller Rationalität war ihm aber wichtig, dass seine Arbeiten auch über emotionale Werte wie Harmonie, Proportion, attraktive Farb- und Materialkombinationen verfügen.

 

Bücher | Livres | Libri

  • Laura Pedrioli
    Finestre sull’arte tra Valle di Muggio e Val Mara.
    Dall’epoca romana a oggi

    Bellinzona: Salvioni, 2023
    384 pagine
    ISBN 978-88-7967-492-8
    CHF 50
     
  • Hubertus Adam
    Das Werk als Instrument der Erkenntnis
    Le Corbusier.
    Von der eleganten Lösung zum offenen Werk
    Hrsg. von Catherine Dumont d’Ayot
    Zürich: Scheidegger & Spiess, 2023
    496 Seiten, 211 farbige und 288 s/w-Abbildungen
    ISBN 978-3-85881-669-6
    CHF 49

 

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Preis
CHF 20.00
GSK-Mitgliederpreis
CHF 14.00
Type:
Buch
Abbildungen
135
Seitenzahl
80
Autoren
Diverse
Artikelnummer
K+A-2023.2
Inhaltssprache
Deutsch
Französisch
Italienisch
Erscheinungsdatum
ISBN
978-3-03797-834-4
Bandnummer
74. Jahrgang, 2.2023
Verlag
Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte