k+a 2019.1 : Bauen für den Sport | Bâtir pour le sport | Costruire per lo sport

Cover k+a 2019.1 «k+a 2019.1 : Bauen für den Sport | Bâtir pour le sport | Costruire per lo sport»

«Luft und Bewegung sind die eigentlichen geheimen Sanitätsräte», notierte der vor 200 Jahren geborene deutsche Schriftsteller Theodor Fontane. Gemeint war der gediegene Spaziergang an der frischen Luft, ein Vergnügen für all jene, die Zeit und Musse dafür hatten. Schweisstreibender Sport für alle Schichten der Bevölkerung – nicht nur für Athleten, die sich mit Höchstleistungen übertreffen: Über solche Aktivitäten hätten Fontanes Zeitgenossen wohl nur den Kopf geschüttelt. In einer Welt, in der Arbeit schwere körperliche Anstrengung bedeutete, war Ruhe ein Privileg, Bewegung eine Last.

Dass gegenwärtig eine kaum überblickbare Vielzahl von Sportarten eine riesige Industrie antreibt und die entsprechende Baukultur prägt, ist ein Phänomen jüngeren Datums. Selbstverständlich finden sich auch in der Schweiz architektonische Spuren von Wettkämpfen aus der römischen Kaiserzeit, wie einer der Beiträge dieser Ausgabe zeigt. Stadien, Arenen, Fitnesscenter und eine flächendeckende Sportinfrastruktur für alle sind jedoch Errungenschaften des 20. Jahrhunderts, Turnhallen für den Sportunterricht, die meist als Mehrzweckgebäude konzipiert wurden, eine Erscheinung des späten 19. Jahrhunderts. Welche Rolle in dieser Entwicklung die verschiedenen Akteure aus Politik und Architektur sowie die Auftraggeber spielten, ist ein spannendes Kapitel Schweizer Baugeschichte.

 

Essay | Essai | Saggio
Walter Mengisen
Bauen für den Sport
Ein Lauf durch die Zeit

Zusammenfassung
Bauten und Infrastrukturen für Bewegungskultur und Sport kennen wir bereits aus der Antike: Die Beispiele der Spiele in Olympia, Delphi, Korinth und Nemea zeugen davon. Für den Bau von Sportinfrastrukturen wie zum Beispiel Turnhallen waren in der Schweiz ab dem 19. Jahrhundert gesetzgeberische Prozesse ebenso wichtig wie die Impulse von Turnpionieren wie Phokion Heinrich Clias oder Adolf Spieß. Die neuzeitliche Sportarchitektur hat sich stark diversifiziert – einerseits trifft man auf Arenen, in denen die Erlebnisintensität von Sportveranstaltungen für das Publikum höchstmöglich gesteigert wird, andererseits auf reine Zweckbauten wie Fitnesscenter und Kletterhallen, die den Besuchern fast 24 Stunden pro Tag zur Verfügung stehen. Zunehmend spielt sich heute die sportliche Betätigung und Vielfalt auch jenseits von normierten Infrastrukturen im öffentlichen Raum ab.

 

Dossier 1
Martin Schwendimann
Orte der Körpererziehung
Ein Streifzug durch die Geschichte der Turn- und Sporthallen

Zusammenfassung
Zur Fülle der neuen Bauaufgaben, die das 19. Jahrhundert hervorbrachte, gehören auch die Turnhallen. Handelte es sich zu Beginn um einfache Holzbauten ohne festen Bretterboden und ohne Heizung, entstand durch das Wirken der Turnpädagogen ein Gebäudetyp, der über das ausgehende 19. Jahrhundert hinaus Verbreitung fand. Von entscheidender Bedeutung ist der Begründer des heutigen Schulturnens, Adolf Spieß, der mit seinem 1852 in Darmstadt errichteten Turnhaus wegweisende Wirkung erzielte. Der Einfluss der aus dem angelsächsischen Raum auf den Kontinent übergreifenden Sportbewegung führte zu den heutigen Zwei- und Dreifachhallen. Waren es zu Beginn die Turnsysteme der Turnpädagogen mit den zugehörigen Turngeräten, die Grösse und Form der Turnhallen bestimmten, sind es heute die Spielfeldabmessungen der Spielsportarten. Für die Eingliederung dieser grossen Sporträume in die Schulanlage sind je nach Kontext unterschiedliche Lösungen erforderlich.

 

Dossier 2
Silvia Berselli
Il Centro sportivo Tenero di Mario Botta
Costruire un’icona alla scala del paesaggio

Zusammenfassung
Das Sportzentrum Tenero von Mario Botta
Der Bau einer Ikone im landschaftlichen Massstab
Beim Sportzentrum Tenero handelt es sich um eine Anlage von landschaftlichen Dimensionen, die seit den 1980er Jahren in vier Etappen realisiert wird; deren letzte soll 2023 fertiggestellt werden. Leitende Idee des Projekts ist es, die Gebäude möglichst kompakt und rationell zu organisieren, um so Raum für Grünanlagen und Aktivitäten im Freien zu gewinnen. Architekt ist seit der zweiten Etappe Mario Botta, der dem Baukomplex mit den beiden Gebäuden «Sasso Rosso» und «Gottardo» eine ikonische Erscheinung verliehen hat. Diese schaffen eine szenographische Kulisse, die mit den Bergen und dem See in Dialog tritt. Die Materialisierung wie auch der Entwurf, die vom Gesamtplan bis zum Detail hohe Kohärenz zeigen, sind mit Referenzen auf die Geschichte, die Gegenwart und auf die Vernakulärarchitektur gespickt, welche die Verankerung der Bauten in der Zeit aufheben und diese dem Reich der «Heterotopien» (Michel Foucault) zuweisen.

 

Dossier 3
Dieter Schnell
Die Eidgenössische Turn- und Sportschule ETS in Magglingen: ein schweizerisches Aussöhnungsprojekt?

Zusammenfassung
Obwohl die Deutsche Hochschule für Leibesübungen in Berlin in den Diskussionen vor der Gründung der Eidgenössischen Turn- und Sportschule Magglingen eine wichtige Rolle gespielt hatte, war sie gegen Ende des Zweiten Weltkrieges als Vorbild nicht mehr genehm. Vielmehr orientierte man sich an der finnischen Sportschule in Vierumäki, wo versucht worden war, die Sportanlagen mir der Seen- und Waldlandschaft zu verschmelzen. In der Anlage der Unterkünfte und Gemeinschaftshäuser folgte man allerdings nicht dem Vorbild, sondern suchte eine spezifisch schweizerische Form: das Dorf. Leider konnte dieses nicht realisiert werden. Und auch die anfänglich stark betonte Verbindung des Sports zu Kunst, Musik und Geselligkeit hat es in Magglingen so nie gegeben.

 

Jasmine Christ
Ein sportlicher Kunstführer
Anlässlich des 75-jährigen Jubiläums in Magglingen erscheint im Herbst 2019 ein Kunstführer über die Anlagen des Bundesamts für Sport BASPO. Seit 1944, als die Eidgenössische Turn- und Sportschule ETS gegründet wurde, ist über Biel ein einmaliges Kompetenzzentrum mit vielfältigen Dienstleistungen für den Schweizer Sport entstanden.

 

Dossier 4
Alexandra Spühler
L’architecture du sport à l’époque romaine

Zusammenfassung
Die Sport- und Freizeitarchitektur der Römerzeit
Die monumentalen Bauten des antiken Roms, wie Thermen, Zirkus und Amphitheater, sind insbesondere während der Kaiserzeit Ausdruck für das hohe Ansehen von Sport und Spielen in der römischen Gesellschaft. Die römische Vergangenheit der Schweiz hat jedoch nicht nur architektonische Spuren hinterlassen, sondern auch eine reichhaltige Bildersprache auf Mosaiken, Wandmalereien und Gegenständen des täglichen Gebrauchs. Diese zahlreichen Darstellungen zeigen Szenen aus verschiedensten Sportarten, wie Ringen, Boxen, Schwimmen oder Ballspielen. Sie zeugen von der grossen Begeisterung der Römer für Reitwettkämpfe und Gladiatorenkämpfe, die in jener Zeit alle Provinzen des römischen Reichs erfasst hatte.

 

Dossier 5
Katja Lesny
Von der Trotte zum Theatersaal
Frühe Turnhallen im Aargau

Zusammenfassung
Die im Aargau als Bauwerk oder durch Pläne überlieferten frühen Turnhallen sind allein oder im Umfeld militärischer Anlagen stehende Bauten von meist kubischer Gesamtwirkung. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Turnhallen vermehrt als Teil einer Schulanlage konzipiert. Sie waren häufig durch Nebenräume erweitert und dienten gleichzeitig als Gemeinde-, Konzert- oder Theatersaal. In Holderbank hat sich mit dem 1924/25 von Carl Froelich (1893–1968) erbauten Mehrzwecksaal ein gutes Beispiel erhalten, das im Innern als Rarität noch die bauzeitliche Holzdecke mit expressionistischer Dekorationsmalerei bewahrt und einen Eindruck von der ursprünglichen Raumwirkung geben kann.

 

Dossier 6
Cordula Seger
Mit der Landschaft bebaut
Die Sportstätten der ersten Sommerolympiade in St. Moritz 1928

Zusammenfassung
Wer heute an Olympiaden denkt, hat neben den strahlenden Eröffnungsfeiern und sportlichen Höhepunkten meist auch die Bilder vernachlässigter Infrastrukturbauten im Kopf, die im Nachgang an den völkerverbindenden, weltumspannenden Sport zurückbleiben. Von einer sinnvollen Weiterverwendung der Bauten können viele Austragungsorte, insbesondere der jüngeren Vergangenheit, nur träumen. Anfänglich war dies bei Winterolympiaden anders, wie der Werdegang der Engadiner Sportstätten veranschaulicht. Die Anlagen der Winterspiele in St. Moritz von 1928 waren bewusst mit der Landschaft und in dieselbe hineingebaut, nicht nur aus ästhetischen Überlegungen, sondern auch aus Kostengründen. Umso mehr standen diese 1948, unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, als St. Moritz zum zweiten Mal Olympische Winterspiele beherbergte, weitgehend unverändert im Mittelpunkt des Geschehens.

 

Focus
Catherine Schmutz, Gilles Prod’hom
Actualité : architecture sportive à Lausanne
Les années prochaines s’annoncent riches en événements sportifs à Lausanne. Rien qu’en 2020, les Jeux olympiques de la Jeunesse, les Championnats du monde de hockey et ceux de pétanque auront lieu en cette ville. Plusieurs équipements de première importance, comme le stade de football de la Tuilière et le centre sportif de Malley (patinoire et piscine) devraient être achevés cette même année. En 2025, la ville accueillera également la vénérable Fête fédérale de gymnastique. Une actualité foisonnante qui amène chercheurs/euses et étudiant-e-s de l’Université de Lausanne à rédiger un nouveau numéro de la série « Architecture de poche » sur le thème des
infrastructures sportives lausannoises, dont la publication est assurée par la Société d’histoire de l’art en Suisse. Ce guide paraîtra dans le courant de l’automne 2020.

 

KdS | MAH | MAS
Stephanie Ehrsam
Zwei KdS-Bände für den Kanton Bern
Doppel-Buchvernissage des 135. und 136. KdS-Bands im Rathaus Bern

 

KdS | MAH | MAS
Stephanie Ehrsam
«Zwischen Bodensee und Bürglen»
Buchvernissage des 137. KdS-Bands in der Mehrzweckhalle Bürglen

 

Aktuell | Actuel | Attuale
Michael Leuenberger
Zum Gedenken an Christine Kamm-Kyburz

 

Aktuell | Actuel | Attuale
Nicole Bauermeister
Billet de la direction
Weiter im Takt

 

Focus
Pauline Nerfin
Chronique d’une démolition annoncée : les salles de gymnastique de Paul Waltenspühl (1951-1953)

 

Focus
Stefan Hartmann
Eine Zukunft für Romainmôtier
Vor wenigen Wochen ist das Priorhaus Romainmôtier in den Besitz der Stiftung Romainmôtier übergegangen. Der Vorstand hat verschiedene Ideen, wie der historisch bedeutsame Ort für ein interessiertes Publikum attraktiver gemacht werden könnte.

 

Aktuell | Actuel | Attuale
Michael Leuenberger
architekturbibliothek.ch
Die Schweiz hat ein neues Lexikon: Das Institut für Architektur der Hochschule Luzern dokumentiert die Architektur von 1920 bis heute online und macht damit die Architektur der Moderne und ihre Nachfolger jedermann zugänglich.

 

Reisen in der Schweiz | Voyages en Suisse | Viaggi in Svizzera
Reise zu Giovanni Segantini
Auf Spurensuche mit seiner Enkelin Gioconda Segantini

 

Auslandreisen | Voyages à l’étranger | Viaggi all’estero
Norwegen: Kunst – Landschaft – Mythos
Mit Lofoten, Hurtigrute, Trondheim, Fjordland und Oslofjord-Spezial!

 

Bücher | Livres | Libri
Häuser und Landschaften der Schweiz

 

Bücher | Livres | Libri
Un rêve d’architecte

 

Impressum | Impressum | Colophon

:)

Preis
CHF 25.00
GSK-Mitgliederpreis
CHF 17.00
Typ:
Buch
Abbildungen
110
Seitenzahl
80
Autoren
Diverse
Artikelnummer
K+A-2019.1
Inhaltssprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
ISBN
978-3-03797-593-0
Bandnummer
70. Jahrgang, 1.2019
Verlag
Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte