k+a 2012.1 : Neuere Restaurierungen | Restaurations récentes | Restauri recenti

k+a 2012.1 : Neuere Restaurierungen | Restaurations récentes | Restauri recenti

Baudenkmäler als ortsgebundene Objekte sind unersetzbare materielle Zeugnisse unserer Kultur und Geschichte. Der sorgsame Umgang mit diesen Werten ist seit Generationen ein Anliegen der Gesellschaft – und gleichzeitig Stoff für umfangreiche Debatten darüber, wie denn dieser Umgang auszusehen habe und wie er gestaltet werden könne. Wir haben es letztlich immer, wie unser Autor Bernhard Furrer in seinem Essay schreibt, mit einer Abwägung und Bewertung dessen zu tun, was «die Essenz des Baudenkmals zwischen materiellem Zeugnis und ideellem Wert» ausmacht. Einschätzung der überlieferten Substanz, Authentizität und Integrität sind die Kernbegriffe, mit denen man den Phänomenen näherzukommen versucht, wobei auch die Frage nach der räumlichen Einheit und der Wechselwirkung mit der Umgebung immer wieder Anlass zur Kontroverse bietet. Und natürlich die Interpretation und der Umgang jeder neuen Generation mit dem, was uns die Geschichte an Zeugnissen hinterlassen hat.

Die Frühlingsausgabe von Kunst + Architektur in der Schweiz will mit den verschiedenen Beiträgen zeigen, wie sich dieser anspruchsvolle Umgang – oder besser «Dialog» – mit Baudenkmälern während der letzten Jahre in der Praxis gestaltet hat und wie die Gratwanderung zwischen materiellem Zeugnis und ideellem Wert bei unterschiedlichen Objekten konkret gemeistert wurde. Deshalb haben wir auch wichtige Akteure wie Restauratoren und Architekten in Interviews ausführlich zu ihrer Arbeit befragt. Wir wünschen Ihnen einen anregenden Dialog mit unserem Frühlingsheft und den darin bewegten Fragen!

Mit herzlichen Grüssen
Michael Leuenberger

 

Essay | Essai | Saggio
Bernhard Furrer
Das Denkmal zwischen materiellem Zeugnis und ideellem Wert
Was ist die Essenz des Baudenkmals?

Ein Baudenkmal wird seit jeher als materielles Zeugnis der Vergangenheit verstanden. Sein Charakter als Dokument wird nur gewahrt, wenn es im Verlauf der Generationen möglichst wenig verändert wird. Zuweilen wird aber das Baudenkmal anders verstanden, beispielsweise als blosses Bild und Abbild oder vornehmlich als Träger einer spezifischen Aura, seit einiger Zeit als Teil eines fortlaufenden Interpretationsprozesses. Diesen Haltungen ist eines gemeinsam: Sie gehen davon aus, dass die Substanz des Baudenkmals den gängigen Vorstellungen und Anforderungen angepasst werden kann, damit es den heute gültigen Anforderungen und Interpretationen optimal entspricht. Ein solcher Umgang verkennt den dauernden Wandel der dem Denkmal zugeordneten Werte. Kommende Generationen sind auf das möglichst authentisch und integral erhaltene Baudenkmal angewiesen, um ihre eigenen Fragen stellen und ihre eigenen Interpretationen entwickeln zu können. Der ideelle Wert ist unlösbar an das materielle Zeugnis gebunden. Die Pflege der Denkmäler bedeutet eben Verantwortung für die Zeugnisse der Vergangenheit und Verantwortung für die künftigen Generationen, welche die historische Substanz selber neu interpretieren wollen.

 

Dossier 1
Isabel Haupt
Spektakel beim Tabernakel?
Neue liturgische Ausstattungen in historischen Kirchen

Das zweite Vatikanische Konzil hat mit der Veröffentlichung der Konstitution über die Heilige Liturgie 1963 den römisch-katholischen Gottesdienst reformiert. Die Neugestaltung der liturgischen Orte in historischen Bauten ist ein Thema, das auch die Denkmalpflege beschäftigt. Qualitätvolle zeitgenössische Gestaltungen können nur aus einer intensiven Auseinandersetzung mit dem spezifischen historischen Kirchenraum entstehen. Dies zeigen beispielhaft die Neugestaltung des Altarraums der Churer Kathedrale St. Mariä Himmelfahrt von Gioni Signorell, die im Zuge der 2001–2007 durchgeführten Restauration erfolgte, sowie die Neugestaltung des Altarraums der Kathedrale St. Ursen in Solothurn. Letztere geht auf einen Studienauftrag zurück, den Judith Albert, Gery Hofer, Ueli Brauen und Doris Wälchli gewannen und sie soll am 30. September 2012 eingeweiht werden.

 

Interview | Interview | Intervista
Léo Biétry
Notre-Dame de Lausanne – la dynamique d’une cathédrale de sable

Si elle n’a jamais eu de fabrique, Notre-Dame de Lausanne dispose depuis 1898, pour assurer la conservation de l’édifice, d’une Commission technique permanente, composée de représentants de l’Etat de Vaud, propriétaire du monument, ainsi que de différents experts1. Christophe Amsler assume depuis 1989, à titre de mandataire, la fonction d’architecte de la cathédrale.

 

Dossier 2
Roberta Grignolo
Restauro e riuso della Gemeinschaftshaus di Armin Meili a Baden (1951-54)
Cambiamenti «in continuità» con l’esistente

Die Restaurierung des Gemeinschaftshauses in Baden
Das Gemeinschaftshaus der Brown Boveri & Cie (BBC) in Baden (1951–1954) wird von der Fachkritik als eines der Meisterwerke von Armin Meili bezeichnet. Das Gebäude wurde im Lauf der Jahrzehnte immer weniger genutzt. Nach Auslobung eines Wettbewerbs wird es umgenutzt und 2003 zu neuem Leben erweckt, indem es die Berufsfachschule BBB (BerufsBildungBaden) aufnimmt. Unter Berücksichtigung der Leitlinien eines denkmalpflegerischen Expertenbeirats zur Erhaltung des Architekturerbes des 20. Jahrhunderts erarbeiten Burkard Meyer Architekten eine differenzierte Strategie im Umgang mit dem Bestand: Zentrale Elemente der originalen Bausubstanz bleiben erhalten – darunter die feingliedrige Gestaltung von Konstruktion und Bauteilen, der Einsatz der Polychromie, die luftigen und fliessenden Räume, welche diese Architektur in den Fünfzigerjahren verankern –, während die erforderlichen Veränderungen im Sinne des Weiterbauens im Bestand umgesetzt werden. Das Resultat überzeugt und unterstreicht das Potenzial solcher Eingriffe; gleichzeitig zeigt es deren conditio sine qua non: eine profunde Kenntnis und Sensibilität gegenüber der Architektur der Nachkriegszeit.

 

Interview | Interview | Intervista
Sabine Schlüter
Die Sicherung der Kuppelmosaiken in der Hagia Sophia in Istanbul

Ein Gespräch mit dem Schweizer Restaurator Matthias Mutter, der während zehn Jahren an einem internationalen Konservierungsprojekt mitgearbeitet hat.

 

Dossier 3
Christian de Reynier
Le destin monumental de la Regalissima Sedes de Neuchâtel
Eclairages sur une entreprise de restauration qui dure depuis 150 ans

Schloss Neuenburg und seine «Monumentalisierung»
Das Schloss Neuenburg, seit dem Mittelalter Sitz und Symbol der Macht im Herzen einer Stadt und eines Kantons, die beide seinen Namen tragen, erfüllt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts alle Voraussetzungen einer «Monumentalisierung ». Die Entdeckung romanischer Überreste im Jahr 1840, zeitgleich mit der Publikation eines Textes, der die königlich rudolfingischen Ursprünge Neuenburgs nachweist, hat zu einer Sonderbehandlung dieses Schlossteils geführt. Erste Restaurierungen und Massnahmen, um diesen Flügel zur Geltung zu bringen, erfolgten 1866. Die bei dieser Gelegenheit ausgeführten Arbeiten hatten eine etwas künstliche Betonung des romanischen Teils des Schlosses zur Folge, welche die seither regelmässig vorgenommenen Restaurierungsarbeiten beeinflussen sollte. Die jüngsten, 2009 durchgeführten Eingriffe ermöglichen ein besseres Verständnis der mittelalterlichen Überreste, aber auch der museographischen Entscheide und der von den Vorgängern eingesetzten Techniken im Verlauf der vergangenen 150 Jahre. Während der Archäologe diese zwei Aspekte vollständig zu trennen versucht, kann der Restaurator lediglich die jüngste Geschichte des Denkmals berücksichtigen.

 

Dossier 4
Jürg Schweizer
Schloss Büren an der Aare und seine «geschmacklosen» Fassadenmalereien
Bern als neues Rom – gemalt, gefeiert, verloren geglaubt und wiedergefunden

Das weitaus repräsentativste Schloss auf dem Gebiet des Stadtstaates Bern aus der ersten Hälfte des 17. Jh. ist jenes von Büren an der Aare, an der damaligen Staatsgrenze und einer wichtigen Verkehrsachse. Entwerfer ist Münsterwerkmeister Daniel Heintz II. Sein Neffe, der Architekt, Maler und Kartograf Joseph Plepp, hatte nach dem Bau die Hauptfassade vollständig und einen Teil der Seitenfassade nach einem umfassenden Programm zu bemalen. Die Scheinarchitektur formt die spätgotische Giebelfassade in eine Palastfassade der Renaissance um, die eine Darstellung des fruchtbaren bernischen Staatswesens symbolisieren soll. Die vier Elemente sind in allen Jahreszeiten dem bernischen Staat wohlgesinnt. Garanten dieses glücklichen Zeitalters sind der als Mars dargestellte Sieg und die Friedensgöttin Pax. Über ihnen sitzt die Eule der Athene, Weisheit und Kunstfertigkeit symbolisierend. Bern propagiert einen Frieden in Stärke, angesichts des unweit der Schweiz tobenden 30jährigen Krieges eine nachvollziehbare Aussage. An der Westseite malte Plepp in einem riesigen Triumphbogen den Opfertod des Marcus Curtius, Symbol für den selbstlosen Einsatz für das Gemeinwohl. Mythologie und Inschriften wollen Bern als neues Rom –jenes der Republik- anpreisen. Die im 19. und 20. Jahrhundert mehrfach überstrichenen und z.T. abgeschlagenen Malereien konnten freigelegt, ergänzt und mit zeitgenössischen Malereien komplettiert werden.

 

KdS | MAHS | MASS
Paul Bissegger
Rolle et son district
Les monuments d’art et d’histoire du canton de Vaud VII  

 

KdS | MAHS | MASS

  • Zum Abschied von Nina Mekacher
  • Bienvenue à Ferdinand Pajor
  • Autorenwechsel im Kanton Zug

 

Interview KdS | Interview MAHS | Intervista MASS
Die Kunstdenkmäler der Schweiz – prominent
Antworten von Laura de Weck, Schauspielerin und Bühnenautorin.

 

Aktuell | Actuel | Attuale

  • Jahresversammlung der GSK in Bern
  • Billet de la direction - La SHAS s’ouvre au numérique
    Infos der Direktion - Die GSK wird immer digitaler
  • Mit Theo in Bern – Streifzug eines Katers durch Bauten und Geschichten der Stadt

 

Ausstellung | Exposition | Esposizione
Susan Marti
« Fragiles Gut – Konservierung höfischer Textilien (2012– )»
Konservieren unter den Augen des Publikums: ein neues Projekt des Bernischen Historischen Museums

 

Auslandreisen | Voyages à l’étranger | Viaggi all’estero

  • Edvard Munch in Oslo und Bergen
  • Südtoskana – Siena und sein Umland

 

Bücher | Livres | Libri

  • Kunst der Möbelmalerei
  • Das Luzerner Möbel

 

Impressum | Impressum | Colophon

Preis
CHF 20.00
GSK-Mitgliederpreis
CHF 15.00
Typ:
Buch
Abbildungen
119
Seitenzahl
80
Autoren
Diverse
Artikelnummer
K+A-2012.1
Inhaltssprache
Deutsch
Französisch
Italienisch
Erscheinungsdatum
ISBN
978-3-03797-047-8
Verlag
Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte