k+a 2012.4 : Mechanische Künste des 18. Jahrhunderts | Arts mécaniques du XVIIIe siècle | Arti meccaniche del XVIII secolo

k+a 2012.4 : Mechanische Künste des 18. Jahrhunderts | Arts mécaniques du XVIIIe siècle | Arti meccaniche del XVIII secolo

Die Magie mechanischer Automaten und Objekte konnte man diesen Sommer und Herbst in der Ausstellung Automates & Merveilles in den Museen von Neuenburg, La Chaux-de-Fonds und Le Locle unmittelbar erleben. Mehrmals beobachtete ich, wie Besucher der Ausstellungen fasziniert das Tun der Androiden von Jaquet- Drozund Leschot, das Pfeifen von Vögeln in goldenen Volièren oder das Spiel miniaturisierter Musikautomaten beobachteten. Noch heute, im Zeitalter von Computer und Hightech, ist die Ausstrahlung dieser technisch raffinierten und für die damalige Zeit äusserst innovativen mechanischen Objekte ungebrochen. Speziell das 18. Jahrhundert ist eine Zeit der kunsthandwerklichen und technischen Blüte im Jurabogen. Es ist das Verdienst der Neuenburger Museen, mit dieser Ausstellung etwas vom Genie der Uhrmacherfamilie Jaquet-Droz und des Kunstund Uhrmacherhandwerks jener Region und Epoche in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt zu haben.

Das Weihnachtsheft von k+a lässt alle, die keine Gelegenheit zum Museumsbesuch hatten, an der Welt der mechanischen Künste teilhaben und bietet Ihnen vertiefte Einblicke in spannende Themen. Seien es die regionalen Prägungen des Kunsthandwerks der «Zytlimacher» oder die Interviews mit Kunsthistorikern und den Ausstellungsmachern: Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Entdecken der Hintergründe und Schönheiten von faszinierenden Objekten und deren Geschichte. Bitte beachten Sie, dass wir zur thematischen Vertiefung im März 2013 zudem Sonderführungen für die Leser von k+a und die Mitglieder der GSK im Museum für Musikautomaten Seewen SO anbieten (mehr dazu auf Seite 41). Michael Leuenberger

 

Essay | Essai | Saggio
Christoph E. Hänggi
Automatenkunst im 18. Jahrhundert
Die ästhetische Kraft mechanischer Automaten

Zusammenfassung
Uhrmacher und geniale Konstrukteure wie Pierre Jaquet-Droz (1721–1790) begeistern im Jahrhundert der Aufklärung mit der Kreation von ausgeklügelten Automaten ein enthusiastisches, vor allem höfisches Publikum und begründen damit ihren Weltruf. Ästhetik und mechanische Fähigkeiten von Androiden markieren eine neue Phase der Verschmelzung von Mensch und Maschine. Jedes künstliche Wesen, das im 18. Jahrhundert aus mehreren tausend Teilen gebaut wurde, war ein individuell gefertigtes Einzelstück, das sich aus einer langen, mühseligen und minutiösen Planung und Konstruktion ergab. Insgesamt waren die Ergebnisse der Automatenkünstler sowohl für die damalige als auch für die heutige Zeit beeindruckend, denn man beschränkte sich nicht nur auf eigentliche Handlungen wie Klavier spielen oder Schreiben und Zeichnen, sondern bezog bei der Planung und Konstruktion auch die Physiognomie, die Atmung und vieles andere mit ein, sodass tatsächlich menschen- oder tierähnliche Wesen entstanden.

 

Interview | Interview | Intervista
Karina Queijo
Automates et Merveilles de Neuchâtel
Caroline Junier répond à nos questions au sujet de l’exposition Automates & Merveilles, qui s’est tenue du 29 avril au 30 septembre 2012 dans trois musées du canton de Neuchâtel.

 

Dossier 1
Karina Queijo
Les Jaquet-Droz, Leschot et les mécanismes du luxe
A la découverte de l’exposition Automates & Merveilles, à Neuchâtel, au Locle et à La Chaux-de-Fonds

A l’occasion de l’exposition Automates & Merveilles, trois musées neuchâtelois se sont associés afin de présenter un choix exceptionnel d’oeuvres fabriquées au XVIIIe siècle par les Jaquet-Droz et Leschot, parmi lesquelles les trois célèbres androïdes.

 

Dossier 2
Monika Leonhardt
Mechanische Automaten – anatomische Studien und Zauberkunststücke
Einblicke in zeitgenössische Aufzeichnungen und Schriften

Zusammenfassung
Noch heute, im Zeitalter der Computer und Roboter, setzen uns Automaten des 18. und 19. Jahrhunderts mit ihrer feinteiligen Mechanik, den Musikspielwerken und den verblüffenden Nachahmungen lebendiger Bewegungen in Erstaunen und Entzücken. Wie mag es wohl den Zeitgenossen ergangen sein? Die Einblicke in Aufzeichnungen und Schriften jener Epoche spiegeln den Geist der Zeit. Sowohl die Werke des Uhrmachers Jakob Auch, der auf Wunsch Goethes Hofmechanikus am Hof in Weimar war, wie die Schriften der Aufklärung oder die Erzählungen in der Tradition der schwarzen Romantik sind Zeugnis der grossen Anziehungskraft der mechanischen Objekte auf die Menschen jener Zeit. Es mischen sich anatomisches Interesse mit der Faszination am beinahe unheimlichen Schauspiel – bis zur schaurigen Illusion des Protagonisten Nathanael in E.T.A. Hoffmanns Erzählung Der Sandmann, der sich in einen Automaten als lebendiges Wesen verliebt.

 

Interview | Interview | Intervista
Michael Leuenberger
Kunst und Technik
Ein Gespräch mit dem Kunsthistoriker Prof. Dr. Horst Bredekamp über menschliche Züge mechanischer Wesen, ihre philosophischen und kulturgeschichtlichen Grundlagen und die Verbindung von Kunst und Technik.

 

Dossier 3
Hans Boeckh
Zeitlose Poesie in Bewegung, Ton und Farbe
Schönheit und Anmut des Kunsthandwerks

Zusammenfassung
Wie viele andere kunsthandwerkliche Verfahren haben auch bestimmte Emailtechniken während des 18. Jahrhunderts eine Verfeinerung erfahren. Doch im Unterschied zu bedeutenden Zentren damaliger Emaillierkunst, wie Paris, London, Wien, Dresden oder Berlin, wo man vorrangig auf die aristokratische Kundschaft europäischer Höfe als Abnehmer setzte, hatte man in Genf auch orientalische Absatzmärkte erschlossen. Das hing damit zusammen, dass sich Email in Genf seit dem 17. Jahrhundert in besonders enger Verquickung mit der örtlichen Uhrenherstellung entwickelt hatte. Farbiger Emaildekor und emaillierte Bemalungen hatten sich dadurch im allgemeinen Bewusstsein der damaligen Welt mit dem Erscheinungsbild teurer, anspruchsvoller Genfer Uhren untrennbar verknüpft. Auch hatte man in Genf damals mit Einfühlungsvermögen die ästhetischen Empfindlichkeiten exotischer Märkte berücksichtigt. So verzichtete man zum Beispiel bei den für die Türkei bestimmten Uhren auf figürliche Darstellungen, weil diese bekanntlich nicht mit den islamischen Vorstellungen zu vereinbaren sind. Andererseits bevorzugte man gerade für jene bestimmte Farben und Ornamente. Die Herstellmethoden und künstlerischen Motive dieser wertvollen Gegenstände drücken wesentlich mehr über sich und ihre Zeit aus, als der Betrachter bei flüchtigem Hinsehen vorab für möglich hält.

 

Portrait | Ritratto
Michael Leuenberger
Die Magie der Mechanik
Von Käfigen, beweglichen Vögeln und kleinen Orgelwerken

Peter Widmer restauriert seit über zwei Jahrzehnten Schmuckuhren und Automaten mit Spielwerk im Museum für Musikautomaten in Seewen SO. Und immer wieder staunt er über die Gesamtkonzeption der mechanischen Kleinkunstwerke mit Tausenden von Einzelteilen. Ein Besuch in der Werkstatt des Restaurators.

 

Dossier 4
Sharon Kerman
Automates et pièces mécaniques au XVIIIe siècle
Androïdes, miniaturisation et création des objets de fantaisie

 

Zusammenfassung
Musikdosen und Automaten im 18. Jahrhundert
Während des ganzen 18. Jahrhunderts wurden phantasievolle Objekte wie Vogelkäfige, Tabakdosen, Flakons, Spiegel, Fernrohre, Pistolen und Uhren hergestellt, die mit mechanisch bewegten und von Musik begleiteten Elementen ausgestattet waren. Besonders eindrucksvoll sind die sogenannten androiden Automaten, die durch ihre Natürlichkeit überraschen. Waren diese Meisterwerke vorerst einer Elite vorbehalten, so wurden sie im Zeitalter der Aufklärung, nicht zuletzt aufgrund ihrer Produktion in Kleinserien, einem breiten Publikum zugänglich. Innerhalb der Fabrique genevoise, einer bedeutenden Produktionsstätte für Automaten, führte die Zusammenarbeit talentierter Spezialisten zu einem gewaltigen kreativen Aufschwung. Die gemeinsamen Anstrengungen gipfelten in Kompositionen von höchster künstlerischer Ausstrahlung.

 

Dossier 5
Brigitte Vinzens
Schweizer Holzräderuhren im 18. Jahrhundert
Regionale Prägungen des Kunsthandwerks der «Zytlimacher»

Zusammenfassung
Im Verlauf des 17. und 18. Jahrhunderts begann in verschiedenen Gegenden Mitteleuropas parallel zur Entwicklung von Hausuhren und Taschenuhren aus Metall die Fertigung von Holzräderuhren. Die regionalen Ausformungen in der Schweiz zeigen sehr unterschiedliche Charakteristika – sei es bei Werken oder Schildern. Holzräderuhren wurden vor allem in alpinen und voralpinen Gegenden der Deutschschweiz hergestellt, wo aufgrund der langen Winter und des reich vorhandenen Baumbestands auch die Holzschnitzerei als Nebenerwerb traditionell verankert war. Es ist davon auszugehen, dass die Holzuhrmacher Eisenuhren, die sie in den Städten gesehen hatten, als Vorlage benützten. Hölzerne Uhren trugen nach Beginn des 18. Jahrhunderts erheblich zur relativ schnellen Verbreitung von Hausuhren bei. Ihr entscheidender Vorteil lag darin, dass sie zum Teil für weniger als den halben Preis der metallenen Uhren angeboten werden konnten. Der Grund dafür liegt vor allem in den geringen Materialkosten: Eisen und Messing waren noch bis ins 19. Jahrhundert sehr teure Werkstoffe. Die Beispiele aus der Uhrensammlung Kellenberger in Winterthur illustrieren, dass das 18. Jahrhundert als Blütezeit dieser Handwerkskunst der «Zytlimacher» bezeichnet werden kann.

 

KdS | MAH | MAS

Franziska Schärer
Wiederentdeckte Wandmalerei gibt Hinweis auf einstige Raumfunktion
Bei einer Bauuntersuchung im Torhaus von Mellingen AG ist die Kantonale Denkmalpflege zusammen mit der Kantonsarchäologie im Frühjahr 2012 überraschend auf Wandmalereien gestossen. Sie weisen auf einen funktionalen Zusammenhang von ehemaligem Rathaus und Torhaus hin.

Angelica Tschachtli
GSK feiert Vernissage des KdS-Bandes über Zürichs Ausgemeinden
Drei Redner würdigten vor vollem Saal im Kulturmarkt Zürich die Arbeit am neuen Band und seinen besonderen Rang innerhalb der Publikationsreihe.

Zusätzlicher Service bei reticulum artis
Die Internetplattform reticulum artis ermöglicht ab sofort neue Formen der Zusammenarbeit für Arbeitsgruppen.

 

Interview KdS | Interview MAH | Intervista MAS
«I monumenti d’arte e di storia della Svizzera» – Personalità
Yvonne Pesenti Salazar
Nata a Locarno (1952), ha studiato storia e letteratura francese a Zurigo, conseguendo il dottorato con una tesi nell’ambito della Gender History. Vicepresidente di Pro Helvetia (1994-2005), ha diretto la redazione italiana del Dizionario storico della Svizzera (1992-99). Dal 1999 è responsabile del Percento Culturale Migros Ticino.

 

Aktuell | Actuel | Attuale

Dr. Benno Schubiger
Billet du Président
Eine Allianz für das Kulturerbe

Isabel Haupt
Johann Rudolf Rahn (1841–1912). Aktuelle Forschungen anlässlich des 100. Todesjahres
Anlässlich des 100. Todesjahres von Johann Rudolf Rahn wurden 2012 die Forschungen über den «Begründer der schweizerischen Kunstgeschichte» und einen der einflussreichsten Denkmalpflegeexperten im jungen Bundesstaat intensiviert. Sie erlauben auch neue Einsichten in die Gründung der «Erhaltungsgesellschaft», aus der 1934 die Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK hervorging.

 

Publikationen der GSK | Publications de la SHAS | Pubblicazioni della SSAS
Schweizerische Kunstführer Serie 92
Die zweite Serie 2012 der Schweizerischen Kunstführer wird im Dezember an die Abonnentinnen und Abonnenten verschickt. Ein Blick auf die einzelnen Hefte zeigt die Vielfalt der Themen.

 

Auslandreisen | Voyages à l’étranger | Viaggi all’estero

 

Bücher | Livres | Libri

Mascha Bisping
Andreas Beyer, Matteo Burioni, Johannes Grave (Hg.)
Das Auge der Architektur.

Zur Frage der Bildlichkeit in der Baukunst.

Simon Baur
Pierino Selmoni
Oltre l’ingegno, la materia Sculture 1946-2012

Diane Antille
Laurent Langer (dir.)
Abraham Hermanjat (1862-1932). De l’Orient au Léman

 

Impressum | Impressum | Colophon

Preis
CHF 20.00
GSK-Mitgliederpreis
CHF 15.00
Typ:
Buch
Abbildungen
95
Seitenzahl
80
Autoren
Diverse
Artikelnummer
K+A-2012.4
Inhaltssprache
Deutsch
Französisch
Italienisch
Erscheinungsdatum
ISBN
978-3-03797-050-8
Verlag
Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte