k+a 2012.2 : Architekturfotografie | Photographie d’architecture | Fotografia d’architettura

k+a 2012.2 : Architekturfotografie | Photographie d’architecture | Fotografia d’architettura

In der alltäglichen digitalen Bilderflut erscheinen klassische Einzelaufnahmen wie Orte der Besinnung und Verdichtung. Angesichts einer umfassend «polychromen» Welt ist es erstaunlich, welche Ausstrahlung Schwarzweissaufnahmen heutzutage entwickeln. Zwar wurde das Fehlen von Farbe in der Fotografie lange Zeit als grosser Mangel empfunden. Doch heute liegen die Dinge anders: In der Reduktion scheint die Kraft zu liegen. Gerade das Titelbild des aktuellen Hefts von Wolf-Bender – aus der Sammlung von Alberto Sartoris, über den in dieser Ausgabe zu lesen ist – strahlt eine schlichte Magie aus, der man sich kaum zu entziehen vermag.

Das Genre der Architekturfotografie ermöglicht uns ein doppeltes Erlebnis: Die Fotografie selbst als auch das eigenständige Bauwerk werden nämlich Gegenstand der Kritik. Beide können für sich den Status eines eigenständigen Werks beanspruchen. Nicht nur den Fotografen, sondern auch den Architekten, wie zum Beispiel Le Corbusier, war dies durchaus bewusst; dieser hat die Fotografie deshalb als Instrument zur Inszenierung des eigenen Gesamtwerks in der Öffentlichkeit geschickt genutzt.

Die Autoren unseres Sommerhefts stellen vielfältige Bezüge her – etwa im Artikel über die Arbeiten von Maurice Blanc, der das Lavaux als gebaute Landschaftsarchitektur porträtierte. Oder beim Interview mit der Sammlungsverantwortlichen des Eidgenössischen Archivs für Denkmalpflege in Bern, Doris Amacher, in deren Obhut sich eine der grössten Sammlungen des gebauten Kulturerbes der Schweiz befindet.

Ich wünsche Ihnen mit den Beiträgen, Interviews und dem kurzen Fotoessay von Christian Scholz – farbig fotografiert mit einer analogen Kleinbildkamera und ohne digitale Überarbeitung – ein anregendes Lese- und Seherlebnis.

Michael Leuenberger und die Redaktion von k+a

 

Essay | Essai | Saggio
Martin Josephy
Sehen und gesehen werden
Architekturfotografie im Wandel der Zeit

Die Fotografie eines Bauwerks ist ein doppelter Gegenstand für die Kritik: Das Bild selbst wie auch die abgebildete Architektur können für sich den Status eines eigenständigen Werks beanspruchen. So war das Genre der Architekturfotografie stets geprägt von technischen und künstlerischen Entwicklungen auf beiden Gebieten und damit Ausdruck eines ambivalenten Verhältnisses.

 

Dossier 1
Antoine Baudin
Alberto Sartoris, la photographie et l’architecture
Symptômes et paradoxes

Zusammenfassung
Alberto Sartoris - Fotografie und Architektur
Die von Alberto Sartoris für seine grossen Anthologien der Architekturbewegung der Moderne (1932–1957) erschaffene, aussergewöhnlich umfassende Sammlung von Architekturfotografien widerspiegelt die bedeutendsten historischen Merkmale des Genres. Sein problematischer Status und die Vielfalt seiner Funktionen werden durch die anderen Sammlungsteile bestätigt, die von Sartoris in seiner Rolle als Architekt, Propagandist beziehungsweise als Historiker zusammengetragen wurden. Auffallend sind die äusserst selektive Wiedergabe seines eigenen architektonischen Werkes und eine sehr persönliche Darstellungsart, die er nahezu ausschliesslich für Fotografien von Bauten aus der Romanik einsetzt.

 

Interview | Interview | Intervista
Daniela Mondini
Fotografisches Gedächtnis der gebauten Schweiz
Ein Gespräch mit Doris Amacher, Sammlungsverantwortliche des Eidgenössischen Archivs für Denkmalpflege, Graphische Sammlung der Schweizerischen Nationalbibliothek, Bern

 

Dossier 2
Karina Queijo
L’archéologue, le peintre et le photographe
Quelques aspects de la photographie coloriée autour de 1900

Zusammenfassung
Der Archäologe, der Maler und der Fotograf
Die durch die Erfindung der Fotografie im Jahr 1839 ausgelöste Begeisterung wurde von einer leichten Enttäuschung begleitet : Die Welt konnte lediglich schwarzweiss und nicht in ihren unendlich vielen Farbtönen wiedergegeben werden. Doch schon bald wusste man sich zu helfen und kolorierte die Papierabzüge oder Glasplatten der Daguerreotypien von Hand. Dieses Verfahren war vor allem bei Portraits sehr beliebt. Weniger bekannt ist jedoch, dass es auch bei Wiedergaben von Baudenkmälern verwendet wurde, wenn diese polychrome Verzierungen aufwiesen. Das Eidgenössische Archiv für Denkmalpflege in Bern besitzt ungefähr hundert kolorierte Fotografien, die ab Ende des 19. Jahrhunderts im Rahmen von Restaurierungsarbeiten von Baudenkmälern erstellt worden waren.

 

Dossier 3
Simon Baur
Dokumentation und Interpretation
Wie wird organisches Bauen in Dornach fotografiert?

Zahlreich sind die Fotografen, die das organische Bauen der anthroposophischen Kolonie festgehalten haben. Ihre Erzeugnisse bilden heute eine historische Quelle ersten Ranges, an der sich auch der Zeitgeist ablesen lässt. Ein spezifischer Kanon des Fotografierens organischer Architektur hat aber nie existiert.

 

Dossier 4
Diana Le Dinh
Entre nostalgie et pragmatisme

Zusammenfassung
Zwischen Nostalgie und Pragmatismus
Von 1912 bis 1917 hat Paul Rosset, späterer Stadtpräsident von Lausanne, in seiner Funktion als Baudirektor 124 auf kartonierte Blätter aufgezogene Architekturfotografien zusammengetragen und mit handgeschriebenen Kommentaren versehen. Die Bilder, in ihrer Mehrzahl Aufnahmen einzelner Gebäude, stellen einen Auszug aus der Lausanner Architekturlandschaft dar und illustrieren die laufenden städtebaulichen Veränderungen. Die von Rosset hinzugefügten Bemerkungen variieren je nach abgebildetem Objekt. Während sie sich bei Neubauten auf technische Angaben beschränken, beinhalten sie bei älteren Bauten auch nostalgisch gefärbte, subjektive Betrachtungen. Seine Ämter und sein damit verbundenes konkretes und aktives Engagement in der Entwicklung und Planung der Stadt zwangen ihn jedoch zu einer gewissen Zurückhaltung in seinen Stellungnahmen. Als Ausdruck einer persönlichen Sensibilität in einer Zeit des Aufbruchs ist so eine kontrastreiche Dokumentation entstanden, die sowohl die Verbundenheit zur Vergangenheit als auch den Zeitgeist widerspiegelt.

 

Interview | Interview | Intervista
Michael Leuenberger
Von der Daguerreotypie zur modernen Fotokunst
Restauratorin Regula Anklin über die Konservierung fotografischer Bestände aus dem vordigitalen Zeitalter. Ein Atelierbesuch.

Fotokonservierung und -restaurierung sind relativ junge Arbeitsgebiete für eine Handvoll Spezialisten und Spezialistinnen in der Schweiz. Eine von ihnen ist die Baslerin Regula Anklin, in deren Atelier Objekte wie die 1230 Glasdias der städtischen Berufsberatung Zürich aus den 1920er und 1930er Jahren aus der Sammlung der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde, eine Daguerreotypie von 1850 oder ein aktuelles Fotokunstwerk des chinesischen Landschafts- und Architekturfotografen Shi Guorui restauriert und konserviert werden.

 

Dossier 5
Sophie Vantieghem
La photographie dans l’oeuvre de Le Corbusier
Entre polymorphie et utilisation diversifiée

Zusammenfassung
Die Fotografie im Werk von Le Corbusier
Die Fotografie als modernes und wegweisendes Medium der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nimmt im Werk von Le Corbusier einen wesentlichen und vielgestaltigen, wenn auch beim breiten Publikum wenig bekannten Platz ein. Zeit seines Lebens setzte er sie wiederholt und auf differenzierte Weise ein. Seine Reisen während der Jugendzeit, namentlich die «Voyage d’Orient» (1911), boten ihm Gelegenheit, sich ein breites ikonographisches Repertoire anzueignen, das er stetig ausbaute und für Studien und Experimente im Rahmen der Realisierung seines architektonischen, malerischen und bildhauerischen Werks einsetzte. Parallel dazu stellten die Fotografie sowie bekannte Architektur- und Kunstfotografen für Le Corbusier ein hervorragendes Werbeinstrument dar, das er oft für die Publikation von Werken benutzte, in denen er seine Bauwerke regelrecht inszenieren und deren Ansehen in der Öffentlichkeit kontrollieren konnte. Die Fotografen unserer Zeit haben ihr Interesse an diesen «Ruinen des Modernismus» wiedergefunden und können nun – in völliger Unabhängigkeit – ihre Wahrnehmung des architektonischen Werks Le Corbusiers wiedergeben.

 

Dossier 6
Alessandra Panigada
Scenografia della vigna
Lavaux nelle fotografie di Maurice Blanc

Zusammenfassung
Szenographie des Rebbergs
Das Weinbaugebiet von Lavaux hoch über dem Genfersee ist eine einmalige Landschaft, die ihr homogenes Aussehen den architektonischen Strukturen verdankt, die auf den Rebbau in diesem steil abfallenden Gelände zurückzuführen sind. Unzählige Terrassen und Mauern bedecken das gesamte Gebiet und werden zum prägenden Merkmal dieser Landschaft. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts erkannte man die Bedeutung der vom Menschen geschaffenen Kulturlandschaft des Lavaux als Zeuge der Beziehung der lokalen Bevölkerung mit ihrem Lebensraum. Die Bedeutung dieser Landschaft als historisches Erbe kommt in der Darstellung ihrer Architektur und in der monumentalen Rolle, die den Terrassierungsmauern zukommt, zum Ausdruck. Die Fotografie erweist sich dank ihrer Ausdrucksmöglichkeiten und ihrer anerkannten dokumentarischen Funktion als effizientes Mittel zur Inszenierung der Landschaft in dieser neuen Perspektive. Das fotografische Werk von Maurice Blanc (1910–1989) ist beispielhaft für das neue Licht, unter dem das Lavaux zu jener Zeit erscheint.

 

KdS | MAH | MAS

Mascha Bisping
Die Kunstdenkmäler der Schweiz

Catherine Courtiau
A l’occasion de la parution du 120e volume des MAH
Présentation officielle à Rolle, le 1er juin 2012, de l’ouvrage de Paul Bissegger – Rolle et son district

 

Aktuell | Actuel | Attuale

Zum 100. Todestag von Johann Rudolf Rahn (1841–1912)
Gedenkworte gesprochen an der Jahresversammlung der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte am 28. April 2012 von Prof. Dr. Georg Germann

Décès du professeur André Corboz

Billet du Président
Die GSK dankt für Ihr Engagement – und hofft auf Ihre weitere Unterstützung

 

Publikationen der GSK | Publications de la SHAS | Pubblicazioni della SSAS

Schweizerische Kunstführer Serie 91
Die erste Serie 2012 der Schweizerischen Kunstführer wird im Juni an die Abonnentinnen und Abonnenten verschickt. Ein Blick auf die einzelnen Hefte zeigt die Vielfalt der Themen.

 

Auslandreisen | Voyages à l’étranger | Viaggi all’estero

Extremadura
Eine Reise durch das landschaftlich reizvolle, aber karge Grenzland zu Portugal lässt den Besucher einen unglaublichen Reichtum an hochwertigen Kunstschätzen erleben – hier entstand das Goldene Zeitalter der spanischen Kunst und Literatur. Die Armut des Landes verlockte viele zum Abenteuer nach Übersee, Eroberer wie Pizarro fanden dort Reichtum und Glück. Zurück in der Heimat, beauftragten sie die besten Kunsthandwerker, prächtige Paläste und Grabkapellen zu errichten. Diese Studienreise umfasst nicht nur Kunstgenuss und den herben Charme der Landschaft, sondern folgt auch literarischen Spuren wie Lazarillo de Tormes, einem Schelmenroman aus Salamanca, und Don Quijote.

 

Veranstaltungen | Colloques | Colloqui

Monumental ! 40 ans d’enseignement de l’histoire du patrimoine bâti à l’Université de Lausanne
Colloque international organisé par l’enseignement Architecture & Patrimoine de l’Université de Lausanne et la Société d’histoire de l’art en Suisse, Lausanne, 25-26 octobre 2012.

Grundlagen der Kunstgeschichte in der Schweiz
Von Rahn bis Wölfflin

Rückblick auf eine Veranstaltung des Kunsthistorischen Instituts der Universität Zürich und des Schweizerischen Instituts für Kunstwissenschaft (SIK-ISEA) vom 16./17. Februar 2012.

 

Bücher | Livres | Libri

 

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Preis
CHF 20.00
GSK-Mitgliederpreis
CHF 15.00
Typ:
Buch
Abbildungen
108
Seitenzahl
80
Autoren
Diverse
Artikelnummer
K+A-2012.2
Inhaltssprache
Deutsch
Französisch
Italienisch
Erscheinungsdatum
ISBN
978-3-03797-048-5
Verlag
Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte